Der Widerstand der Einheimischen

Nichts lief nach Plan

Die Treysaer Bürger hatten erst drei Wochen vor der Ankunft der „Colonie Treysa“ von der Einbürgerung der französischen Flüchtlinge in ihrer Stadt erfahren. Wie bereits erläutert, hatten sie den Schrecken des 30-jährigen Krieges noch nicht überwunden. Mit der Ankunft der Réfugiés kam wohl die Angst, auch diese Flüchtlinge wieder „durchfüttern“ zu müssen. Diese Angst war nicht ganz unbegründet, denn die Réfugiés hatten ihre Sonderrechte. Sie bauten Manufakturen auf, zahlten keine Abgaben und Steuern, machten keine Hand- und Spanndienste, waren an keinen Zunftzwang gebunden und konnten Gesellen ausbilden und einheimische Arbeitskräfte einstellen. Wie bereits erwähnt, befand sich das Land in einer wirtschaftlich schlechten Lage. Obwohl das Geld der Ankömmlinge 25 % Aufgeld gebracht hätte, konnten sie nichts dafür kaufen. Man hatte nicht bedacht, dass die Kornvorräte der letzten Ernte aufgebraucht waren und die Läden leer standen. Selbst die Einheimischen litten Not. HohlmassDie Bäcker hatten bereits um Korn aus den herrschaftlichen Fruchtvorräten gebeten, als Kommissar Rolaz du Rosey den Réfugiés 6 Mött (1 Mött = 2,43 Zentner) Korn verschaffte. Dies hatte zur Folge, dass die einheimischen Bäcker zornig wurden, denn die Franzosen ließen sich in Treysaer Hausbacköfen leichteres Brot backen, als sie es liefern konnten, außerdem ging ihnen der Verdienst verloren. Die Huten und Trischer, die sie zugewiesen bekamen, wurden zum Teil den Treysaer Bürgern weggenommen. Diese wurden praktisch zwangs-enteignet. Neid und Missgunst machten sich breit. Viele Treysaer Bürger fühlten sich zu Unrecht schlecht behandelt. Es fiel wirklich schwer, zu diesen fremden Menschen freundlich und hilfsbereit zu sein, wo doch die Franzosen zu einer solchen Belastung wurden und es ständig zu Konflikten kam! Das konnte nicht gut gehen! Wie sollte es nur in Zukunft werden? Die Treysaer Bürger fühlten sich von ihrem Landesfürsten hart behandelt, da er dieses alles angeordnet hatte. Bereits am 16.10.1699 erhoben Bürgermeister und Rat von Treysa Einspruch gegen das Roden und Hacken der Flüchtlinge in der Treysaer Feldmark. Die Bürger fühlten sich in der Hutegerechtigkeit benachteiligt. Auf diese Beschwerde wurde den Réfugiés das sogenannte Job zugewiesen. Jedoch waren die Ansprüche der Treysaer Bürger auch damit noch nicht befriedigt. Man musste einen Ausweg suchen, denn nichts lief, wie es sollte.

Quelle: Chronik des Hugenotten- und Geschichtsverein Frankenhain e. V.

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