Hugenottenkreuz

Das Hugenottenkreuz22

Aus einer Konfirmationspredigt zum Hugenottenkreuz      

Pfarrer Dieter Schindelmann

…Ich will heute über ein Zeichen predigen, das zu Frankenhain mit seiner besonderen Geschichte gehört.

 

Das Hugenottenkreuz

Hugenotten – das muss man den Auswärtigen erklären – sind kein afrikanischer Volksstamm, sondern französische evangelische Christen, die wegen ihres Glaubens ihr Heimatland verlassen mussten. Glaubensflüchtlinge aus Südfrankreich haben dieses Dorf gegründet, und sie haben das Hugenottenkreuz als Geheimund Erkennungszeichen mitgebracht. Ihren Kindern haben sie es zur Konfirmation oder zur Hochzeit geschenkt. Bis heute ist das Hugenottenkreuz ein sichtbares Bekenntnis zum evangelischen Glauben geblieben. Dieses Kreuz möchte ich euch heute auch schenken. Vorher will ich die Einzelheiten ein wenig erklären:

Das erste und größte Zeichen:

das Kreuz.

Ich hoffe sehr, dass es in der Konfer rübergekommen ist, dass es sich lohnt, dem nachzufolgen, dessen Zeichen das Kreuz ist: Christus.

Ich erinnere an eueren Vorstellungsgottesdienst zum Thema: „Juden in Treysa“. Wir haben miteinander entdeckt, welche Menschenverachtung und welche Katastrophen entstanden sind, als man das Kreuz aufgab und dem Hakenkreuz hinterherlief. Folgt ihr Christus, geht ihr auf seinem Weg, läuft sicher nicht immer alles automatisch so, wie ihr es gerne hättet. Leben ist nicht nur leicht und locker. Aber ich glaube: Auf diesem Weg begegnet euch nichts, was Gott nicht mit gutem und tiefem Sinn füllen kann.

Oft sind es ja die Kreuze, – die ich selber tragen muss und anderen tragen helfe –, die mich voranbringen und reifen lassen, als Mensch und als Christ. Dort, wo die Kreuzesbalken zusammentreffen, waren ursprünglich Lilien abgebildet, die Blumen des französischen Königshauses. Die Hugenotten haben dort die Andeutung eines

Herzens

entdeckt. Sie haben gemerkt: Der Glaube darf niemals nur Verstandessache sein, er muss zur Herzensangelegenheit werden. Zum Glauben gehört es, dass man sich bewegen lässt, für andere einzutreten. Zum Glauben gehören nicht nur Worte, sondern Worte und Taten.

Unser Hugenottenkreuz hat eine Besonderheit. Der Künstler hat eine

Dornenkrone

als Ring in die Mitte gelegt. Mit einer „Krone“ aus Dornen hat man Christus gequält und verletzt. Die Dornenkrone erinnert auch an die Frankenhainer Vorfahren, die wie Christus Verfolgung, Folter und sogar Tod erleiden mussten, weil sie von ihrem Weg nicht abwichen. Die Dornenkrone erinnert an Christen, die lieber die Heimat aufgaben, als klein beizugeben und sich von ihrem Glauben loszusagen. Manchmal erschreckt mich diese Konsequenz, weil ich nicht weiß, ob ich so mutig und entschieden sein könnte. Aber ich lasse mich ermutigen, ganze Sache zu machen, nicht jedem nach dem Munde zu reden. Nicht nur darauf zu schielen, wie man am besten durchkommt. Bettina Wegener hat einmal gedichtet:

„Klare, gerade Menschen wären ein schönes Ziel. Leute ohne Rückgrat haben wir schon so viel.“

Auf zwei Details möchte ich noch hinweisen. An den Enden der Kreuzesbalken sehen wir Kreise, dies sollen

Lichtknospen

sein, Hinweis auf Christus, der von sich gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht im Finsteren wandeln, sondern das Licht des Lebens haben.“

Die Ur-Frankenhainer haben darauf vertraut, dass Christus ihnen Licht und Orientierung auf ihrem schwierigen Weg schenkt. Ohne dieses Licht hätten sie vermutlich nicht durchgehalten. Die Flucht ging zunächst in die Schweiz, dann nach Hessen, nach Treysa, nirgendwo beliebt, sondern angefeindet als Asylanten, überall benachteiligt und schließlich abgeschoben auf einen kargen Berghügel, der einmal Frankenhain werden sollte. Wenn es Menschen so ergeht, braucht man Orientierung und Halt.

Ich glaube, Licht, Orientierung und Halt von Christus her brauchen wir heute ebenso. Auch wenn wir besser dran sind als die Frankenhainer Vorfahren….

Ich bitte euch: Orientiert euch an dem Licht dieser Welt, nicht an Leuchtreklamen dieser Zeit.

Schließlich das letzte Symbol –

die Taube:

Es erinnert mich an die Sintflutgeschichte. Noah schickt eine Taube aus, um Zeichen des Lebens auf der Erde zu entdecken. Als die Taube diese Zeichen gefunden hatte, bekam Noah wieder Lebensmut und Hoffnung. Ich kann verstehen, dass die Hugenotten die Taube als Zeichen mit Gottes Geist sehen konnten, der Lebensmut und Hoffnung schenkt.

Liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen, nach einem schönen und guten Jahr Konfer tut es mir richtig leid, dass die gemeinsame Zeit vorbei ist. Ich hoffe und wünsche für Euch, dass Ihr – in der Frankenhainer Tradition – dem nachfolgt, der Leben eröffnet und dass das Hugenottenkreuz Euch Orientierung schenkt.

Quelle: Chronik des Hugenotten- und Geschichtsverein Frankenhain e.V.

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